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Die Ortsgeschichte Biebesheim

Der Ort Biebesheim durfte wesentlich alter sein als die ältesten schriftlichen Nennungen von Orten in der Rheinebene, die im achten Jahrhundert einsetzen. Eine fränkische Annsiedlung des frühen Mittelalters kann in der Gemarkung auf jeden Fall angenommen werden, worauf die Gräberfunde aus der Merowingerzeit (6. bis 7. Jahrhundert) in der Flur "Die Weingärten" hinweisen.

Die Gründung und Benennung reicht möglicherweise noch weit in die in unserem Bereich fast ganz überlieferungslose Zeit des frühesten Mittelalters, der sogenannten Völkerwanderungszeit, vielleicht bis in die Zeit der römischen Besatzung oder noch davor zurück. Dafür sprechen auch neuere Erkenntnisse, die eine Villa Rustica (römischer Gutshof) in der heutigen Biebesheimer Gemarkung vermuten lassen sowie der Fund eines römischen Brandgrabes auf einem Acker am Wingertsweg und der "Biebesheimer Togatus", eine Bildnisstatue eines Mannes in Tunica und Toga, die vermutlich Teil einer Gruppe von der Ausstattung eines römischen Frabmonumentes der Zeit um 20 bis 10 vor unserer Zeit ist.

In einem Urkundenbuch des Klosters Eberbach ist Biebesheim erstmals 1209 als "Bubelnsheim" erwähnt. In einer weiteren Urkunde, die ebenfalls aus dem Jahr 1209 stammt und in dem gleichen Urkundenbuch enthalten ist, finden wir die Schreibweise "Bubensheim" Mit dem Codex Laureshamensis (Lorscher Codex) liegt ein weiterer Nachweis über Biebesheims Alter vor. Nach diesem Urkundenbuch hatte des Kloster Lorsch um das Jahr 1200 zwei Huben in Biebesheim, die zinsten. Mit diesem Güterverzeichnis - Urkunde 3829 - wird die Schreibweise des Namens des Dorfes bekannt: Bubenesheim. Aus diesen hochmittelalterlichen Formen ist der heutige Name Biebesheim entstanden.

Die Eintrage lauten:

In Bubenesheim (Biebeshem n. Gernsheim a.Rh. n. Lorsch). Walcun gab 1 Hube in Biebesheim, die am Feste des HI. Remigius (1. Oktober) 6 Unzen zinst; sie dienen am Feste des heiligen Evangelisten Luca (18. Oktober) als Zuschuß.

1m gleichen Dorf schenkt Wernher 1 Hube, die am Feste der Heiligen Drei Könige (6. Januar) 7 Unzen zinst. Bauerhof_Biebesheim_Kirchstr46

Eine renovierungsbedürftige Biebesheimer Kirche wird bereits 1209 erwähnt, wo die Eberbacher Mönche eine Summe Geldes für die Ausbesserung des Kirchendaches stiften. Möglicherweise wurde die Kirche ursprünglich von den Herren von Wolfskehlen gestiftet, denen lange Zeit deren Einkünfte und die Ernennung der Pfarrer zustanden.

In der katholischen Zeit - Biebesheim wurde 1535 reformiert - gab es in der Biebesheimer Kirche drei Altare. Der erste trug den Namen St. Nicolai und Annae und besaß ein großes Pfarrgut. Der zweite, nach dem heiligen Sebastian und der heiligen Katharina benannt, gehörte einem Kaplan, der die Frühmesse las und dafür die Einkünfte von etwa 124 Morgen Acker- und Wiesenlandes genoß. Der dritte Petri und Erasmi zugedacht, hatte an Gefällen nur 2 Gulden, die zum Kirchenkasten kamen.                           Bauernhof Kirchstraße 46 - das                                               Wohnhaus steht heute im Hessenpark

Verwaltungsmäßig gehörte das Dorf zur Zeit der Franken zu dem Oberrheingau im Königs- und Reichsfort Forehahi, dem ein Gaugraf vorstand. Diesen Wildbann hatte 1002 Kaiser Heinrich II., der Heilige, dem Bistum Worms geschenkt,

Biebesheim gehörte zum Landgericht zum Holen Galgen, oder auch Erfelder Cent genannt, zu dem 13 Dörfer zählten. Besitzer der Gerichts- und Hinrichtungsstätte waren die Bruder Albert und Gerhard von Wolfsskehlen, die Ihre Rechte 1252 an Mainz verkauften und sie wieder als Lehen erhielten. Im Jahr 1338 gelangte das gesamte Landgericht in den Besitz der Lehnsherren der Wolfskehler, den Grafen von Katzenelnbogen. 1479 wurde die Obergrafschaft Katzenelnbogen durch Erbschaft hessisch und damit auch Biebesheim.

Wahrend des Dreißigjährigen Krieges belagerten Truppen verschiedener Heerführer unseren Raum und verursachten auch viele Schäden in Biebesheim. So war es allein nach dem Einfall des Grafen Ernst von Mansfeld im Mai 1622 ein Schaden von 45147 Gulden, wie ein Schadensverzeichnis aus dieser Zeit belegt. 1631 lagerte König Gustav Adolf von Schweden mit 30.000 Mann in unserer Region. Nach der verlorenen Nördlinger Schlacht wurde Biebesheim am 5. August 1635 durch die kaiserlichen Truppen unter General Gallas nahezu dem Erdboden gleich gemacht. Von 116 Hoffreiten blieben nur 19 Hauser stehen und die Bevölkerung wurde von 560 auf nicht einmal mehr 100 reduziert. Auch die Kirche brannte damals bis auf die Grundmauern nieder. 1794 hatte Biebesheim wieder 130 Häuser, 1829 waren es bereits 178 Wohnhäuser und 1.156 Einwohner, die überwiegend in der Landwirtschaft tätig waren und bis 1900 waren 390 Hauser entstanden. Postkarte_Biebesheim1

1m 18. Jahrhundert musste Biebesheim öfters Durchmarsche und Einquartierungen von Truppenteilen ertragen, die meist durch Schutzbriefe, die der Landgraf für seine Gemeinde erwirkte, in einem erträglichen Rahmen gehalten werden konnten. Ein derartiger Schutzbrief des Prinzen Eugen von Savoyen, ist im Postkatre Biebesheim am Rhein um 1912                      Heimatmuseum                                                             Biebesheim zu sehen.

Auch während der napoleonischen Zeit musste Biebesheim Einquartierungen hinnehmen. Etwa 20 Biebesheimer Burger waren gezwungen an Napoleons Zug gegen Rußland teilzunehmen. Der Überlieferung nach sollen nur zwei von ihnen wieder zurückgekehrt sein.

1869 wurde die Riedeisenbahn Darmstadt - Gernsheim eröffnet. Biebesheim wurde Bahnstation und ist es bis heute geblieben, wenn es zwischenzeitlich diese Streckenführung nach Darmstadt auch nicht mehr gibt, so liegt die Station doch an einer der verkehrsreichsten Bahnstrecken zwischen Frankfurt und Mannheim und hat somit Verkehrsanbindung an alle internationalen Verkehrswege.

Vor dem 1. Weltkrieg hatte die Gemeinde 2.320 Einwohner in 423 Häusern. Davon waren 2.260 evangelisch, 33 katholisch und 27 jüdischen Glaubens.

Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges hatte Biebesheim 2.710 Einwohner. Am 5./6. August 1941 wurde Biebesheim von englischen Bombern angegriffen. Dabei wurde die Evangelische Kirche stark beschädigt und Scheunen und Stallungen von 7 Hofreiten brannten nieder. Am 20. März 1945 ging eine Luftmine auf der Straßenkreuzung Neugasse/Karlstraße nieder. Dabei kamen eine Frau und ein Junge um. Am 25. März 1945 traf eine deutsche Fliegerbombe zwei Wohnhäuser. Eine Frau und zwei Kinder wurden getötet und ein Mann schwer verletzt.

Am 25. März 1945 nahmen Soldaten der US-Army Biebesheim kampflos ein.

Bereits im November 1945 kamen die ersten Heimatvertriebenen aus Vilkow, Kreis Lauenburg in Pommern nach Biebesheim.

Am 9. Februar 1946 wurden 28 Personen registriert. Sie kamen aus Einsiedel, Reichenberg, Voigtbach, Alt-Harzdorf, Berzdorf, Friedrichswald und Kottwitz im Sudetenland. 1947 wurden 672 Heimatvertriebene und 326 Evakuierte aufgenommen. Biebesheim hatte 3.733 Einwohner mit 556 Wohnhäusern. Postkarte_Biebesheim2

Eine Volkszahlung am 13. September 1950 ergab 3.919 Einwohner für Biebesheim.

1956 kamen die ersten Gastarbeiter aus Süditalien, überwiegend aus Palo del Colle, nach Biebesheim, nachdem die Bundesrepublik 1955 mit Italien ein entsprechendes Anwerbeabkommen geschlossen hatte. Viele die damals nur für einige Jahre Geld in Deutschland verdienen wollten, leben heute in zweiter und dritter Generation hier und fühlen   Postkarte Biebesheim am Rhein um 1925
sich als Biebesheimer.

Ebenso verhält es sich mit vielen türkischen Gastarbeitern, die in den 70er Jahren in unsere Gemeinde kamen. Auch sie haben heute oftmals Haus- und Grundbesitz in Biebesheim erworben und sehen sich als Biebesheimer. Was sich auch darin dokumentiert, dass es in Biebesheim seit den 90er Jahren eine Moschee, die "Ayafofya Chamii" gibt.

Durch den Zuzug der Menschen unterschiedlichster Nationalität und der Reisefreudigkeit breiter Bevölkerungsgruppen entwickelte sich Biebesheim zu einer aufgeschlossenen Gemeinde, die sich dem europäischen Gedanken verpflichtet sieht.

Es gibt daher seit Jahrzehnten lebendige Partnerschaften mit Romilly sur Andelle in Frankreich und Palo del Colle in Italien. Die Partnerschaft mit Romilly sur Andelle besteht im Jahr 2008 seit 37 Jahren und die Verschwisterung mit Palo del Colle seit 22 Jahren.

Heute hat Biebesheim als zweitkleinste Gemeinde des Kreises Groß-Gerau ca.6.500 Einwohner. Die Gemeinde entwickelte sich von einem Bauerndorf, über Handwerk und Handel zu einer Industriegemeinde, die den dörflichen Charakter wahren konnte.

Nach der bereits genannten erstmaligen urkundlichen Erwähnung Biebesheims kann die Gemeinde im Jahr 2009 eine 800-Jahrfeier veranstalten.