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Die Geschichte von
STOCKSTADT AM RHEIN


Durch Stockstadts geographische Lage im Oberrheingebiet bedingt, wirken über Jahrhunderte auf das Stockstädter Siedlungsgebiet viele kulturelle Einflüsse. Der Rhein stellt nicht erst seit der Römerzeit einen der wichtigsten Handels- und Verkehrswege dar. Viele bedeutende Völker zogen durch dieses Gebiet und hinterließen bei uns Kulturspuren. Dies ist aufgrund vieler archäologischer Funde belegt.

Von ganz besonderem Einfluss auf unsere Kultur waren jedoch die Römer. Sie brachten nicht nur den Straßen- und Brückenbau, die Architektur und den Weinbau in unsere Gegend, durch ihre ausgedehnten Handelsbeziehungen wurde unsere Region eingebunden in den regen Austausch zivilisatorischer Güter, die bis heute unser Leben entscheidend beeinflussen.

Eine bedeutende Verkehrsverbindung war die alte befestigte Römerstraße, die von Ladenburg über Gernsheim und Stockstadt nach Groß-Gerau führte und in erster Linie militärischen Zwecken diente. Einige alte Flurbezeichnungen in der Stockstädter

Gemarkung deuten noch heute darauf hin: „Am hohen Weg“, „Hohe Straße“, „Oberstraße“. Die Gründung des Dorfes Stockstadt am Rhein ist nicht genau zu bestimmen, da zuverlässige Urkunden aus dieser Zeit fehlen. Sie wird jedoch in der fränkischen Zeit vermutet. Im achten Jahrhundert wurde die Gemarkung von Mönchen, wahrscheinlich vom Kloster Lorsch aus, kultiviert, worauf noch alte Flurnamen wie „Mönchäcker, Mönchwiesen“ oder „Mönchaue“ hinweisen. In diese Zeit fällt auch die Gründung vieler Niederlassungen in der näheren und weiteren Umgebung Stockstadts. Im Lorscher Reichsurbar von 830./850 ist erstmals vermerkt, dass der klösterliche Besitz in „stochestat“ jährlich 17 Maß Getreide für das Kloster erbringe. Auch als Pfarrei wird Stockstadt schon früh erwähnt. Die Nennung seiner Pfarrkirche im Jahr 1184 fällt mit in die Bestätigung des Gesamtbesitzes des St. Albanklosters zu Mainz durch Papst Lucius III. Das Dorf muss demnach schon wesentlich älter sein. Die oberste Grundherrschaft über dieses Gebiet hatte der Erzbischof von Mainz, der 1279 die Herren von Eppstein mit der Vogteil belehnte. Die hohe Gerichtsbarkeit übten die Grafen von Katzenelnbogen oder deren Lehnsleute, die Herren von Wolfskehlen, aus, und Stockstadt musste zu deren Landgericht einen Schöffen stellen.

1428 ging Stockstadt mit anderen Besitzungen durch Verkauf an Johann Kämmerer von Dahlberg über. Aber auch hier blieb es nicht lange. Das Amt wurde hessisch, badisch und 1579 schließlich durch Tausch gegen Astheim endgültig hessisch. 1535 hatte der Landgraf bereits gegen den Willen von Mainz die Reformation in Stockstadt eingeführt.

Um den Hunger zu steuern, musste die Gemeinde 70 Morgen Land gegen Getreide an einen Kölner Schiffsmann veräußern. Von 69 Wohnhäusern waren nach dieser grauenvollen Zeit nur noch 19 vorhanden. 1689 brannten französische Truppen den Ort nieder, wobei 34 Wohnhäuser und mehr als

In der Folgezeit entwickelte sich Stockstadt durch seine Lage am Rhein zu einem wichtigen Hafen der Obergrafschaft. Unter anderem wurde hier Wein, vor allem aus dem Elsaß, zum Umschlag gelagert, der zum größten Teil nach Hessen-Hassel ging. Auch die Rheinfischerei entfaltete sich zu einem blühenden Gewerbe, dessen Ausübung durch einen in Stockstadt stationierten Bachknecht überwacht wurde.

In den zahlreichen Kriegen des 17. und 18. Jahrhunderts hatte die Gemeinde durch Truppendurchzüge, Zerstörungen und Plünderungen immer wieder schwer zu leiden. Im Dreißigjährigen Krieg erkundete König Gustav Adolf von Schweden von hieraus den gegenüberliegenden Kühkopf und stationierte oberhalb von Stockstadt einen Teil seiner Truppen zur Vertreibung der Spanier am Rhein. Besondere Not brachte das Jahr 1637.

100 Nebengebäude eingeäschert wurden. Erst nach Jahrzehnten hatte Stockstadt diese Schäden überwunden.

Als gegen Ende der zwanziger Jahre des 19. Jahrhunderts der Rheindurchstich „Am Geyer“ erfolgte, der Stockstadt vom Rheinstrom trennte, ging Stockstadt ein erheblicher Teil seiner wirtschaftlichen Bedeutung verloren. Bis dahin war es ein wichtiger südhessischer Lager- und Umschlagplatz der Rheinschifffahrt gewesen, der vielen Einwohnern der Gemeinde ihr Auskommen sicherte. Nun fielen diese Arbeitsplätze weg, neue standen nicht zur Verfügung. So kam es, dass bis 1850 etwa 100 Personen aus der damals rund 800 Einwohner zählenden Gemeinde nach Amerika auswanderten.

Bei Ausgang des 18. Jahrhunderts umfasste die Stockstädter Gemarkung eine Fläche von insgesamt 2267 Morgen, von denen 607 in adligem oder kirchlichem Besitz waren. Den Rest teilten sich die öffentliche Gemeinde und die einzelnen Gemeinsleute selbst als Eigenbesitz. Durch die 1945 von der amerikanischen Besatzungsmacht verfügte Eingliederung der Rheininsel „Kühkopf“ – sie gehörte vorher zu Rheinhessen und wurde durch ihr nach der Rheinbegradigung entstandenes Naturschutzgebiet weithin bekannt – wuchs die Stockstädter Gemarkung auf heute 1872 ha an.

Die Bevölkerungsziffer hat sich in den letzten 100 Jahren etwa vervierfacht. 1871 zählte man 1104 Einwohner, 1939 waren es 2129, 3158 im Jahre 1950, 1976 bereits 4554 und am 31.12.1984 – 5.243 Einwohner. Der Ausbau der Riedbahn im Jahre 1869 führte zu einer erheb- lichen Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, was nicht ohne Einfluss auf die wirtschaftliche Gesamtsituation blieb.

Doch noch bis in unser Jahrhundert hinein war Stockstadt ein reines Bauern- und Fischerdorf. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der grundlegende Wandel zu einer modernen Gewerbe- und Wohngemeinde vollzogen. Neue Wohngebiete wurden erschlossen, insbesondere um den etwa 700 von der Gemeinde aufgenommenen Heimat- vertriebenen eine neue Heimat zu geben.

Das starke Ansteigen der Bevölkerung und der gleichzeitig in Angriff genommene Ausbau der Infrastruktur schufen auch die Voraussetzungen, um die Gemeinde mit allen für ein modernes Gemeinwesen notwendigen Einrichtungen zu versehen. So verfügt Stockstadt heute über ein Sportzentrum mit Sport- und Tennisplätzen, ein Bürgerhaus mit Mehrzweckhalle und Clubräumen und 3 Kegelbahnen, das dem kulturellen und dem Vereinsleben weiteren Auftrieb gibt, weiterhin ist eine Großsporthalle (27 × 45 m) mit Tribüne und ein Freischwimmbad mit 20.000 qm Liegewiese vorhanden. Zwei Kindergärten und zahlreiche Kinderspielplätze stehen zur Verfügung. 1967 konnte ein moderner und zweckmäßig gestalteter Verwaltungsbau als Rathaus bezogen werden. So ist Stockstadt heute eine Gemeinde, die alle notwendigen kommunalen Einrichtungen bietet, die für die Lebensqualität der Bürger und der örtlichen Vereine notwendig sind.