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Jahrhunderthochwasser in Zukunft häufiger?

Fragen nach den Auswirkungen der Erwärmung der Erdatmosphäre an der Bergstraße

an den Klimaforscher Prof. Dr. Christian Schönwiese, Mitglied im Kuratorium des Modellprojektes KlimaschutzRegion Hessisches Ried:

Frage: Professor Schönwiese, die Erdatmosphäre wird wärmer und Sie konnten im vergangenen Jahr belegen, dass der Mensch daran einen deutlichen Anteil hat. Wie wirkt sich die höhere Durchschnittstemperatur auf das Wettergeschehen in Mitteleuropa aus?
Schönwiese: Wir müssen mit mehr Regen im Winter und trockeneren Sommern rechnen. Im Winter ist das Wasserhaltevermögen von Pflanzen und Boden sehr viel geringer als im Sommer, was das Hochwasserrisiko erhöht. Bereits jetzt treten so genannte "Jahrhunderthochwasser" schon wesentlich häufiger auf. Werden die Sommer trockener, fehlt das Wasser dann, wenn die Pflanzen viel davon brauchen. Das kann zu geringeren Erträgen in der Landwirtschaft führen. Außerdem könnten wir extreme Wetterereignisse häufiger erleben als bisher.

Werden diese Veränderungen in ganz Deutschland gleichermaßen zu spüren sein?
Nein, es wird erhebliche regionale Unterschiede geben. Die relativ trockenen Regionen in Nordostdeutschland könnten im Sommer noch weniger Regen abbekommen. Die Niederschläge im Westen und Südwesten Deutschlands, so auch entlang der Bergstraße und im Odenwald, könnten im Winter ergiebiger werden. Das erhöht die Gefahr von Hochwassern und heftigen Sommergewittern. Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft, auch der Wald wird in Mitleidenschaft gezogen.

Wenn wir jetzt etwas zur Verringerung der Treibhausgase tun, wann wird sich das auswirken?
Das wird nicht so schnell gehen, weil das Klima mit einigen Jahrzehnten Verzögerung auf menschliche Einflüsse reagiert. Daher werden sich die Erwärmung zunächst sogar dann noch fortsetzen, wenn die Industrienationen alle technischen Möglichkeiten zum Klimaschutz ausschöpfen würden.

Sollten wir dann nicht besser Deiche und Hochwasserdämme bauen, anstatt Kohlendioxid zu sparen?
Es wird erforderlich sein, auf Klimaänderungen zu reagieren, die schon im Gang sind. Da regionale Klimaänderungen besonders schwer prognostizierbar sind, wird es aber noch lange dauern, bevor wir sagen könnten, baut hier einen Deich und dort eine Beregnungsanlage. Viel wichtiger ist es, Klimaschutz im Sinn von Vorsorge zu betreiben. Der wichtigste Punkt ist, den Kohlendioxidausstoß durch Energienutzung zu verringern. Alternative Energieträger, effektiverer Umgang mit Energie und Sparsamkeit sind hier die Gebote der Stunde.
Energiesparen löst in vielen Wirtschaftszweigen einen Innovationsschub aus, weil es sich rechnet. Unsere endlichen Erdölreserven können wir intelligenter nutzen, als durch Verbrennung Energie zu erzeugen, die wir in diesem Umfang gar nicht brauchen.

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