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„El Sur“ in Biebesheim Weinstube mit kulinarischen Leckerbissen – Gemütlichkeit, Küche und Preise lohnen den Besuch Ein bisschen abseits der Ortsmitte Biebesheims scheint „El Sur“ wohl nur
auswärtigen Besuchern zu liegen: Selbst an einem ganz normalen Mittwochabend waren die Tische mit fröhlichen Gästen, denen man die geographische Nähe anhörte, gut besetzt. Zugegeben: Das ist in dem zu einer
spanischen Weinstube umgebauten ehemaligen Faselstall mit vielleicht 50 Sitzplätzen auch nicht sonderlich schwer. Vorbestellung – vor allem, wenn man nicht bloß zu zweit ist – empfiehlt sich in jedem Fall und an
jedem Tag.
Seit Sommer 2004 bieten Diana und Edi Diehl in zwei ausgesprochen sehenswerten, verspielt aber doch geschmackvoll dekorierten Räumen, die von hellem Holz dominiert werden, Urlaubserinnerungen an
Iberien – optisch wie kulinarisch.
Der sehr freundliche, kompetente und nie aufdringliche Service tut ein übriges, dass sich nicht nur Stammgäste (und davon gibt es offensichtlich eine ganze Menge) sondern
auch El-Sur-Neulinge herzlich willkommen fühlen. Die Karte verwirrt auf den ersten Blick ein wenig.
Wer gewohnt ist, Hauptgerichte auch am Preis zu erkennen, kann in rechnerische Schwierigkeiten kommen:
Irgendwo zwischen 2,50 und acht Euro gibt es Tapas und Tontöpfchen, Paella-Pfännchen und Flammkuchen, Vorspeisen und Desserts. 0,2 Liter spanischen Rotweins von guter Qualität (Reserva, teilweise im Barrique
ausgebaut) kosten zwischen drei und vier Euro.
Sollte solche Verwirrung wirklich zum Problemchen werden, können wir eine probable Lösung anbieten: Die Tapas variadas (8,50 Euro) liefern eine solche Fülle
verschiedener Geschmacksrichtungen, dass zum Auftakt kaum Wünsche offen bleiben.
Gerne erinnern wir uns hier unter anderem an deftig saure zarte Sardellenfilets, die an diesem Abend den sonst angebotenen
frischen Meeresfrüchtesalat ersetzten, mit cremigem Schafskäse gefüllte schmale, milde, grüne Paprika, mehrere Scheiben saftigen Serrano-Schinken, zwei unterschiedlich eingelegte Olivensorten, in herzhaft bissige
Peperoni marinierte Käsewürfel, eine Tapenade, die wie Meerrettich-Honig-Mischung schmeckte und erst nach einigen Sekunden am Gaumen ihre überraschende Schärfe entwickelte.
In der Mitte der ausgesprochen
appetitlich angerichteten, schmeckbar frischen, gar nicht so kleinen Vorspeisen türmte sich – selbstverständlich ebenfalls in einem separaten Schälchen – eine Aioli-Mayonnaise, die zum Austunken mit dem knusprigen
Weißbrot geradezu verführte.
Dem angemessenen Rat des Kellners vertrauend, hatten wir für zwei Personen nur eine Vorspeisenplatte bestellt. So blieb schon noch Raum und Lust für eine eher zufällige Auswahl an
weiteren Gerichten.
Unbedingt probieren sollte man einen der im Holzbrotbackofen zubereiteten Flammkuchen (4,90 Euro): Ein hauchdünner knuspriger Boden trägt – zum Beispiel – eine mit Kräutern gewürzte
Schicht Schafskäse, Oliven- und Chorizo-Scheiben, eine spanische Wurst, die wir von der Tapas-Platte zwar schon kannten, die ihre Schärfe offensichtlich aber erst durch das Erhitzen so richtig zur Geltung bringt.
Im Tontöpfchen wurde der ganze Tintenfisch serviert (5,90 Euro), so bemerkenswert zart in Knoblauch-Öl gebraten, wie man ihn auch in Edelrestaurants nur selten erhält, und auf eine Gemüsemischung gebettet, so
aromatisch köstlich, dass man – aber das hatten wir schon anfangs erlebt – kaum umhin kann, sie bis zum letzten Tropfen aufzutunken.
Vermutlich wären auch die Nachspeisen empfehlenswert, hätte es die
katalanische Creme noch gegeben und wäre der süße Flammkuchen uns nicht zu viel und das Fettgebackene, die Churros, zu mächtig erschienen.
So beschlossen ein Espresso und ein sanfter Kräuterlikör, auf Kosten
des Hauses angeboten, ein rundum tadelloses Ess- und Geschmackserlebnis. Quelle: Echo-Online vom 30.01.2006
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